Sie spenden Wärme, lindern Schmerzen und bieten Wohnzimmer-Wellness für meist kleines Geld: Wärmflaschen. Es gibt wohl wenige Produkte, die von so vielen so heiß und innig geliebt werden.
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Eine Wärmflasche war 1981 Wettrequisite bei der Premiere von »Wetten, dass…?« Eine eindeutigere Liebeserklärung kann es in Deutschland ja kaum geben. Der Bodybuilder Hans Oßner pustete damals am Lagerfeuer der Nation eine Wärmflasche auf, bis sie platzte. Wette gewonnen!
Doch ist der Gummiklassiker von damals zeit- und alternativlos? Oder gibt es neue Varianten, über die man vor der nächsten kalten Nacht oder wenn die Füße im Homeoffice frieren zumindest nachdenken sollte? Wir haben fünf Modelle getestet – von günstig bis teurer, von der bewährten Form über die elektrische bis zur vermeintlich innovativen.
Blumtal-Wärmflasche mit Bezug aus Polar-Fleece
Wärmflasche Nora von Steiner
Kinder-Öko-Wärmflasche mit Strickbezug »Eule« von Hugo Frosch
Kautschuk oder Ökoplastik, Bezug aus Wolle oder Strick, ganz egal, Hauptsache, die Wärmflasche ist heiß, mögen manche denken. Doch neben der Temperatur und dem, was man Kuschelfaktor nennen könnte, gibt es noch andere Unterscheidungsmerkmale. Etwa wie leicht sich das Wasser einfüllen lässt oder wie sicher der Verschluss ist.
Aber klar, zentral ist die wohlige Wärme. Alle Wärmflaschen im Test, die mit Wasser gefüllt werden, haben eine glatte Seite und eine mit Lamellen oder sonstigen Unebenheiten. Glattes Gummi soll für direkte Hitze sorgen, Lamellen für länger anhaltende Wärme.
Wir haben in unserem Test auf der Seite mit Lamellen nachgemessen, wie viel Hitze die gefüllten Flaschen durch ihre Bezüge abstrahlen – sechs Stunden, nachdem wir aufgekochtes Wasser leicht abgekühlt eingefüllt haben.
Die Elektrovariante von Unold und das günstige Gummimodell von Blumtal werden bei diesem Test durch ihre Bezüge hindurch an der Oberfläche sofort mehr als 60 Grad Celsius heiß. Man sollte das Wasser bei ihnen vor dem Einfüllen also lieber etwas länger abkühlen lassen. Alle anderen Varianten strahlen 53 Grad Wärme aus. Das ist etwas angenehmer, wenn man es nicht ganz so heiß mag – und reduziert die Gefahr, versehentlich die Haut zu verbrühen.
Nach sechs Stunden ist die Wärmi von Unold nur noch 30 Grad warm, die Modelle von Nora von Steiner sowie Hugo Frosch geben noch 31 und 32 Grad ab. Etwas wärmer sind Blumtal und Troy mit 35 und 36 Grad. Dafür, dass der Hersteller der Troy-Wärmflasche explizit mit lang anhaltender Wärme wirbt, sind die Unterschiede eher gering.
Seit es Wärmflaschen gibt, hat sich an der recht einfachen Grundkonstruktion kaum etwas geändert. Schön also, dass es mal jemand versucht. Das verdient eine ausführliche Betrachtung.
Der deutsche Hersteller der Troy-Wärmflasche verspricht konstant angenehme Wärme. Zu Beginn nicht zu heiß, dafür zweimal so lange warm wie klassische Modelle, so wird für das Produkt geworben. Vor einigen Jahren wurde es in der Fernsehshow »Die Höhle der Löwen« vorgestellt. Ein sogenanntes Troy-Pad in der Flasche soll für die angepriesene gleichmäßige Wärmeabgabe sorgen. Durch die Flasche fühlt es sich ähnlich an wie die einst populären Handwärmekissen, nur andersrum: Zuerst ist es hart, wird weich, wenn Wasser eingefüllt wird. Es soll die Wärme entziehen, bevor es sie wieder abgibt.
Nur: So richtig funktioniert das in unserem Test nicht. Zwar gibt die Troy-Flasche mit 53 Grad Celsius anfangs weniger Hitze ab als etwa das elektrische Modell von Unold und die klassische Gummiflasche von Blumtal. Aber drei andere Modelle sind zu Beginn genauso heiß – auch ohne Innovation und Troy-Pad.
Zudem kühlt die Troy kaum weniger schnell ab als die Konkurrenzmodelle. Nach sechs Stunden ist sie mit 36 Grad Celsius zwar das wärmste Modell im Test, aber auch nur ein Grad wärmer als die Blumtal-Wärmflasche und sechs Grad wärmer als die kühlste Wärmflasche im Test.
Soll versehentliches Öffnen verhindern: Sicherheitsverschluss von Troy
Praktisch ist der sogenannte Sicherheitsverschluss. Er ist das zweite Merkmal, mit dem sich das Unternehmen vom Wettbewerb abheben möchte, und besteht aus zwei Teilen statt nur aus einem. Wie mit einem Inbusschlüssel dreht man die Flasche zu, danach zieht man den Schlüssel ab. Ohne den lässt sie sich nicht öffnen, was helfen kann, Kinder oder Pflegebedürftige vor Fehlbedienungen zu schützen. Der Verschluss soll laut Hersteller auch auf Wärmflaschen anderer Firmen passen, funktionierte bei unseren Tests aber mit keiner der anderen Flaschen.
Das gefällt: Der Sicherheitsverschluss ist eine gute Idee.
Das weniger: Von der beworbenen gleichmäßigeren Wärmeabgabe als bei herkömmlichen Modellen war im Test kaum etwas zu erkennen.
Diese weiche Gummiwärmflasche ist ein Klassiker. Mit 66 Grad Celsius gibt sie unmittelbar nach dem Einfüllen am meisten Hitze ab. Man sollte das Wasser vorher also etwas länger abkühlen lassen, um die Haut nicht zu gefährden. Mit 35 Grad Celsius nach sechs Stunden ist sie in unserem Test nur ein Grad kühler als das Troy-Modell.
Von allen Testflaschen hat sie zu Beginn aber auch den strengsten Geruch nach Chemie. Ihre Einfüllöffnung ist eher klein, man sollte beim Befüllen also eine ruhige Hand haben. Aber das gilt generell für Wärmflaschen, die mit Wasser gefüllt werden. Ansonsten tut das Modell made in China, was es soll – für relativ wenig Geld.
Einen Punkteabzug gibt es beim Kuschelfaktor. Als »Polarfleece« bezeichnet der Hersteller den Bezug aus 100 Prozent Polyester. Das kann man mögen, muss man aber nicht. Der Überzug kann in der Waschmaschine gewaschen werden, ihn von der Flasche abzuziehen, ist aber etwas frickelig.
Das gefällt: Es ist eine Wärmflasche, das reicht ja manchmal schon als Argument.
Das weniger: Es gibt angenehmere Bezüge.
Bei diesem, im Vergleich sehr teuren Modell bezahlt man in erster Linie den Bezug, der zur Hälfte aus Alpaka und zur anderen Hälfte aus Merinowolle besteht. Laut Herstellerangaben wird der leicht fusselige Stoff in Österreich produziert. Darin befindet sich eine Sänger-Gummiwärmflasche, die direkt beim Hersteller und ohne Bezug deutlich günstiger zu bekommen ist.
Die Kombination aus Bezug und Flasche wird gleich nach dem Einfüllen des heißen Wassers angenehme 53 Grad Celsius warm, so wie das Troy-Modell. Das sind zehn Grad weniger als bei den Varianten von Blumtal und Unold. Nach sechs Stunden ist die Nora mit 31 Grad Celsius die zweitkühlste Flasche, es trennen sie vier Grad vom wärmsten Modell. Gefühlt macht das kaum einen Unterschied.
Das gefällt: Der Stoff fühlt sich gut an,…
Das weniger: …man wünscht sich nur, er würde nicht so viele Fusseln hinterlassen.
Irgendwie ein Klassiker, dann aber auch wieder nicht: Die Wärmflasche in Kindergröße (auch mit mehr Volumen erhältlich) besteht nicht aus weichem Gummi, sondern aus Hartplastik. Das fühlt sich ein wenig wie eine Shampooflasche an. Füllt man sie mit heißem Wasser, wird sie etwas weicher. Wer seine Füße gern unter dem Schreibtisch wärmt, könnte das als angenehm empfinden, weil sie dadurch weniger wabbelig ist als andere Modelle.
Die »Materialkomposition«, wie der Hersteller schreibt, soll dafür ohne PVC und Weichmacher auskommen. Zudem sei sie recycelbar und werde zu 90 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen in Deutschland hergestellt.
Die Wärmeabgabe ist nahezu identisch mit der Steiner-Wärmflasche: Zu Beginn wärmt sie mit angenehmen 53 Grad Celsius, nach sechs Stunden ist sie mit 32 Grad einen Hauch wärmer als das Steiner-Modell.
Der Bezug in Eulen-Optik ist Geschmackssache, fühlt sich aber gut an und hat eine praktische Schlaufe zum Aufhängen an Handtuchhaken. Der Drehverschluss unterscheidet sich ebenfalls vom den anderen Testprodukten. Er lässt sich etwas komfortabler aufschrauben und hat einen etwas größeren Durchmesser, sodass sich die Flasche leicht befüllen lässt.
Das gefällt: Das robuste Material ist interessant, der Ökoaspekt ein Bonus.
Das weniger: Wer auf das wabbelige Feeling einer Wärmflasche nicht verzichten möchte, sollte die Finger davon lassen.
Die Wärmi von Unold hat die Form einer Wärmflasche und fühlt sich auch so an, funktioniert aber vollkommen anders, nämlich elektrisch. Fast wie eine Heizdecke. Das als elektrische Wärmflasche bezeichnete Gerät wiegt etwa so viel wie eine gefüllte Wärmflasche und wird von einem eigenwillig aussehenden Ladegerät, das an ein zusammengedrücktes Hufeisen erinnert, mit Energie versorgt. Das Aufheizen dauert etwa zehn Minuten, also länger, als ein Wasserkocher benötigen würde. Aber dafür kann man hier kein heißes Wasser verschütten.
In der Anwendung unterscheidet sich die Wärmi kaum von anderen Wärmflaschen. Etwas ungewohnt ist die Plastikverkleidung des Ladeanschlusses, die aber nur wenig stört. Der Bezug aus Polyester ist weniger flauschig als bei der Blumtal-Wärmflasche. Damit kann man sich zwar arrangieren, er ist gefühlt aber weniger kuschelig.
Wie das Blumtal-Produkt bollert aber auch die Wärmi gleich zehn Grad Celsius heißer los als die drei anderen Wärmflaschen, sie wird 62 Grad heiß. Wem das zu viel ist, muss den Stecker schon ziehen, bevor das Aufheiz-Lämpchen erlischt. Eine andere Möglichkeit, die Temperatur zu regeln, gibt es nicht. Sechs Stunden nach dem vollständigen Aufheizen am Ladegerät gibt die Wärmi mit 30 Grad Celsius am wenigsten Wärme ab.
Das gefällt: Man läuft nicht Gefahr, sich beim Einfüllen mit heißem Wasser zu verbrühen.
Das weniger: Bitte nicht noch ein Ladegerät, das irgendwann in einer Kiste landet. Wer das sehr spezielle Netzteil verliert, hat ein Problem. Eher geringer Kuschelfaktor.
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Soll versehentliches Öffnen verhindern: Sicherheitsverschluss von Troy
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